Waldeck, 28. Februar 2021. Gesund sein, gesund bleiben, gesund werden. Das sind wichtige Themen – nicht erst seit Corona. Vielleicht hat uns die Pandemie aber vor Augen geführt, dass unser Gesundheitssystem Nachholbedarf hat. Ärzte und Pflegekräfte werden gesucht – auch bei uns.

Nebenbei bemerkt: Der Fachkräftemangel betrifft nicht nur das Gesundheitswesen, sondern ist auch in der Wirtschaft ein ernstzunehmendes Problem. Viele heimische Betriebe und das traditionelle Handwerk haben damit zu kämpfen.

Es wurde zwar in der Vergangenheit schon vieles getan, um auf den demografischen Wandel in unserer Gesellschaft zu reagieren (die Zahlen aus diversen Studien lagen dafür auch lange genug auf dem Tisch), aber wir sollten uns fragen, ob es genug war und was wir darüber hinaus noch tun können.

Die Auswirkungen auf das Gesundheitssystem haben wir mittlerweile alle zu spüren bekommen. Lange Wartezeiten für einen (Fach-) Arzttermin, weite Anfahrten, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln kaum zu organisieren sind. Einmal im Wartezimmer angekommen, verbringt man dort wesentlich mehr Zeit als im Behandlungsraum. Wegen Überlastung können nur wenige Minuten Zeit für den einzelnen Patienten aufgebracht werden. Hausbesuche? Für viele Hausärzte kaum zu stemmen.

Stichwort Pflege: Eine überalterte Gesellschaft bedeutet auch, dass immer mehr Menschen pflegebedürftig werden. Wo und wie können sie noch angemessen versorgt und Angehörige bei der Pflege von Familienmitgliedern entlastet werden? Wer einen Pflegefall in der Familie hat, weiß wie schwer es ist, hier entsprechende Unterstützung zu bekommen.

Bei wem bislang noch keine Alarmglocken läuten, der wird vielleicht jetzt hellhörig: Laut einer Studie der Kassenärztlichen Vereinigung gehen bis 2030 etwa 60 % der hessischen Hausärzte in den Ruhestand! Machen wir uns nichts vor: Es wird dadurch nicht leichter, im ländlichen Raum entsprechende Nachfolger zu finden. Denn Ärzte sind auch nur Menschen und suchen sich bewusst aus, wo sie leben möchten.

Das Image einer Kommune trägt wesentlich dazu bei, welchen Wohnort wir zu unserem Lebensmittelpunkt küren. Faktoren wie Lebensqualität, Nahversorgung, Verkehrsanbindung, Jobs für beide Elternteile, Kinderbetreuung, Kultur- und Freizeitangebote sind jungen Familien wichtig. Seien wir ehrlich: Die Bedingungen müssen „top“ sein, damit einerseits jemand aus der Stadt aufs Land zieht und andererseits junge Menschen vom Land nicht dauerhaft in die Stadt abwandern. Ärzte sind da ebenso wenig eine Ausnahme, wie die oben genannten Fachkräfte für die Wirtschaft.

Wir alle sehen das Dilemma: Fachkräfte zieht man durch eine rundum attraktive Struktur in die Region. Eine Region ist nur dann attraktiv, wenn sie mit Fachkräften – z.B. für Gesundheit und Pflege aufwarten kann. Umso wichtiger ist es, dass wir angesichts des Dilemmas nicht ratlos verharren, sondern beständig weiter an der Attraktivität unserer Region arbeiten. Wir stehen in Konkurrenz mit vielen anderen Landkreisen um Ärzte, Pflegekräfte und andere Fachkräfte. Ja, es wurde schon einiges angestoßen. Aber wir dürfen nicht locker lassen. Die Gesellschaft verändert sich und wir mit ihr. Was heute als „genug“ erscheint, ist morgen vielleicht zu wenig.

So gibt es z.B. Fördergelder des Landes Hessen, um die medizinische Versorgung für unsere Bürger auszubauen. Stichworte sind Medizinische Versorgungszentren, Anreize für junge Ärzte, Nachfolgeregelungen für Hausarztpraxen, der Einsatz von Gemeindeschwestern, der Ausbau von Beratungs- und Pflegestützpunkten. Darum möchten wir uns kümmern. Denn: Diese Förderung muss beantragt werden. Sie kommt nicht von selbst. Wir möchten an dieser Stelle auch auf eine entsprechende Veröffentlichung des Sozialverbandes VdK Hessen-Thüringen anlässlich der Kommunalwahl 2021 verweisen. Hier werden die genannten Punkte und noch weitere Ansätze ausführlich thematisiert.

Ja, diese Themen sind gut und sie sind wichtig. Sie müssen von der Kommunalpolitik aufgegriffen werden. Das Dilemma um regionale Attraktivität und den Fachkräftemangel in Gesundheit und Wirtschaft in unserer Heimat lösen wir nur durch konsequentes am Ball bleiben. Wir sind dabei!

Im Namen der FWG Waldeck, Kerstin Martens

Medizinische Versorgung und Fachkräftemangel: Ein Dilemma ohne Ausweg?